giessen und Düngen

Aurikeln, insbesondere die mitunter an kleine Diven erinnernden Show-Aurikeln, sind in diesem Punkt ein wenig heikel. Die Devise in puncto Wasser lautet daher grundsätzlich: „weniger ist mehr“ oder, wie unsere britischen Nachbarn zu sagen pflegen, „if you doubt, don’t!“ (Im Zweifel nicht). Zu viel Wasser kann den Aurikeln tatsächlich schaden, wenn diese das Wasser nicht vollständig aufnehmen können und es im Topf stehenbleibt. Dann drohen die Wurzeln zu faulen, was mitunter den Verlust der gesamten Pflanze nach sich zieht. Obacht ist dabei gerade in den besonders heißen oder kalten Witterungsperioden geboten, weil die Pflanzen dann ihre Wasseraufnahme herunterfahren. Es ist durchaus sinnvoll, die Erde im Topf zwischendurch immer wieder abtrocknen bzw. durch die Pflanzen „leertrinken“ zu lassen. Das regt gleichzeitig zur Bildung eines üppigen und robusten Wurzelgeflechts an. Ich gieße daher grundsätzlich erst dann, wenn die Erde im Topf wieder trocken ist und – auch wenn’s schwer fällt – während der großen Mittagshitze im Sommer oder wenn die Temperaturen im Winter unter 0 °C sinken, überhaupt nicht.

 

Nachdem ich selbst einige herbe Verluste aufgrund unbesonnener Gieß- und Düngeaktionen erlitten hatte, hat mir einer unserer erfahrensten Aurikel-Spezialisten einige gute Tipps gegeben, wie man erkennen kann, ob die Pflanze wirklich Wasser benötigt: Man tippt oder stupst vorsichtig gegen die äußeren, bereits vollständig entfalteten Blätter der Pflanze. Wippen diese elastisch, ist die Pflanze noch mit genügend Wasser versorgt. Fühlen sie sich dagegen weich und geschmeidig an, ist es höchste Zeit, zu gießen. Parallel kann man sich außerdem den Topfhebe-Test angewöhnen. Dieser ist eine zusätzliche Sicherheitskontrolle und basiert auf dem spezifischen Gewichtsunterschied zwischen nasser und trockener Topferde, den man durch Anheben des Topfes prüft. Hört sich komplizierter an, als es ist ;) Denn nach kurzer Zeit stellt sich tatsächlich von ganz allein ein gewisses Gespür dafür ein, ob der Topf noch schwer und nass wirkt oder eher wie ein (ausgetrocknetes) Leichtgewicht. Für mich ist dieser Test eine gute Ergänzung, denn mitunter lässt eine Aurikel die Ohren auch deshalb hängen, weil sie (bereits) zu nass steht oder weil es zu heiß ist. Dann wäre es fatal, sie zu gießen.

 

 

In puncto Düngen sollte ähnliche Vorsicht und Zurückhaltung geübt werden. Manche Sammler und Züchter stehen sogar auf den Standpunkt, dass zusätzliche Düngergaben bei regelmäßig umgetopften Aurikeln unnötig sind. Will man dennoch nicht ganz auf die kleine Unterstützung verzichten, sollte ein Dünger mit niedrigem Stickstoff-Anteil und auch höchstens die Hälfte der durch den Hersteller empfohlenen Dosierung verwandt werden. Eine, maximal zwei sparsame Düngergaben im zeitigen Frühjahr reichen daher vollkommen aus. Mehr kann dagegen absolut tödlich enden! Denn eine zu starke oder zu häufige Düngung schwächt die Pflanze und macht sie besonders anfällig für Botrytis, eine Grauschimmel-Art, die zum Faulen insbesondere der Wurzeln führt.

aktuelles

Auch wenn es einige meiner Mutterpflanzen offenbar nicht wahrhaben wollen und nach wie vor blühen bzw. Knospen ansetzen ..

.. der Winter steht vor der Tür. Vielerorts gibt es inzwischen schon die ersten Nachtfröste. Die großen Sommer-Blätter vergilben nun rasch. Wenn diese glasig bzw. matschig wirken, wird es höchste Zeit, sie - ebenso wie vertrocknete oder erfrorene Blätter - vorsichtig von der Pflanze zu entfernen, um Fäulnis und Schimmelbefall vorzubeugen.

 

Tipp: Einfacher geht es, wenn man die Blätter bereits entfernt, wenn diese gerade gelb geworden sind, aber noch eine feste Blattstruktur haben.

Nach dem Ausputzen bleiben dann oft nur die kompakten, inneren Blattrosetten zurück. Diese scheinen über einen natürlichen Frostschutz zu verfügen und überstehen so selbst eisige Temperaturen ohne nennenswerte Schäden.