Umtopfen und Teilen

Wird es der Aurikel und ihren Ablegern im Topf zu eng bzw. wirkt die Erde hart und ausgelaugt, dann ist es Zeit, die Pflanzen zu vereinzeln bzw. Umzutopfen.



Wann? 

Hierfür werden traditionell grundsätzlich zwei Zeiträume empfohlen: Ab Ende Mai/Anfang Juni, also direkt nach der Blüte (wenn nicht gerade Samen gezogen werden), oder/und ab Ende August/Anfang September, wenn die größte Sommerhitze vorbei ist.

 

Das Umtopfen im Frühsommer hat den Vorteil, dass die Pflanzen so genug Zeit bekommen, sich in ihren neuen Töpfen zu etablieren und auch den Sommer gut und mit frischer Erde versorgt überstehen. Zum Winteranfang sind sie dann bereits kräftige Pflanzen, die im Frühjahr (mitunter aber auch schon im Herbst) blühen werden. Wer dagegen die Herbstblüte vermeiden möchte, wird eher im Spätsommer topfen.

 

Ich für meinen Teil topfe aus Zeitgründen inzwischen während beider Perioden, mitunter sogar durchgehend, solange es nicht zu heiß ist. Gerade junge Pflanzen, also Sämlinge oder Ableger aus dem Vorjahr, verkraften ein Umtopfen auch während der Sommermonate recht gut.

 

Nach meinen bisherigen Erfahrungen kann man außerdem auch schon ab Ende Februar/Anfang März, also noch von dem Beginn der Hauptblütezeit, recht erfolgreich Umtopfen. Ich nutze diese frühe Zeit insbesondere für solche Pflanzen, die nach dem Winter ein wenig bedenklich aussehen und daher auch "von unten" inspiziert werden sollten, oder solche, die (trotz Winterruhe) stark aus dem Topf herausgewachsen sind bzw. viele Ableger gebildet haben. Ein netter Nebeneffekt dieses frühen Topfens ist übrigens oft, dass die Pflanzen dann besonders bereitwillig Blüten ansetzen.

 

Wie häufig?

Als Faustregel gilt: einmal jährlich. Ein m.E. wirklich treffender Rat diesbezüglich stammt von Dr. Horner of Hull, einem berühmter Aurikel-Züchter des 19. Jahrhunderts, der bereits damals konstatierte: "neglect of yearly repotting is a great evil" (die Vernachlässigung des jährlichen Umtopfens ist ein großes Übel). Und er hat aus zwei wesentlichen Gründen tatsächlich Recht (was mich in anfänglicher Unkenntnis dieser Weisheit eine ganze Menge Pflanzen gekostet hat!): Zum einen ist die Kapazität eines Aurikeltopfes begrenzt, so dass die darin enthaltene Erde bzw. Nährstoffe nach +/- 12 Monaten tatsächlich ausgelaugt sind. Zum anderen lässt aber auch die Luftdurchlässigkeit des Substrates nach, es kann zu Übersäuerung kommen und Teile der Wurzeln beginnen ggf. zu rotten. Letzteres ist ein ganz natürlicher Prozess, dem durch das Einkürzen von alten bzw. ungesunden Wurzelteilen recht gut entgegengewirkt werden kann. Bei Vernachlässigung kann er sich dagegen tatsächlich unbemerkt auf die ganze Wurzel ausdehnen (und damit zum Absterben der Pflanze führen).

 

.. und Wie?

Nur keine Scheu. Aurikeln sind in puncto Umtopfen/Teilen meist robuster, als sie aussehen.

 

Ist die Pflanze(nfamilie) erst einmal aus dem Topf befreit, wird zunächst die alte Erde entfernt und dabei gleich das Wurzelgewirr ein wenig auseinanderklamüsert. Dann können alle Ableger, die wenigstens eine, besser natürlich mehrere eigene Wurzeln haben, vorsichtig von der Mutterpflanze abgepflückt werden. Nun werden insbesondere an den älteren Pflanzen die Wurzeln kontrolliert und bei Bedarf eingekürzt. Neue und gesunde Wurzeln sind prall und hell und setzen möglichst weit oben an der Hauptwurzel an. Weiter unten wird die Hauptwurzel mitunter weich und braun und bietet Angriffsfläche für Fäulnis, so dass man solche Teile der Wurzel ruhig einkürzen sollte. Hierzu diese bitte entweder an einer natürlichen Einschnürung abzwicken oder mit einem sauberen und scharfen Messer abschneiden. Die frische Schnittstelle bestäube ich zur Desinfektion mit Kohlepuder (das ich preiswert aus dem Reststaub in unseren Grillkohletüten gewinne ;). Das gleiche gilt übrigens auch, wenn die Teilung an einer oder beiden Pflanzen eine offene „Wunde“ hinterlassen hat. Zum Schluss wird jede Pflanze noch obenherum ausgeputzt, d.h. trockene und lose Blätter werden entfernt. So kann man auch gleich die richtige Pflanztiefe (Erde bis kurz unterhalb des letzten Blattansatzes) erkennen.

 

Anschließend werden alle Einzelpflanzen je nach Größe und Länge der Wurzeln in passende Töpfe gepflanzt. Kleine Ableger, die noch wachsen müssen, können auch zunächst zu zweit oder -mehrt in einem gemeinsamen Topf an dessen Rand entlang bzw. in die Ecken gepflanzt werden. Das spart Platz und ist nach Ansicht einiger Züchter ein guter Trick, die Pflänzchen und ihre Wurzeln zu besonders gutem Wachstum anzuregen.

 

aktuelles

Auch wenn es einige meiner Mutterpflanzen offenbar nicht wahrhaben wollen und nach wie vor blühen bzw. Knospen ansetzen ..

.. der Winter steht vor der Tür. Vielerorts gibt es inzwischen schon die ersten Nachtfröste. Die großen Sommer-Blätter vergilben nun rasch. Wenn diese glasig bzw. matschig wirken, wird es höchste Zeit, sie - ebenso wie vertrocknete oder erfrorene Blätter - vorsichtig von der Pflanze zu entfernen, um Fäulnis und Schimmelbefall vorzubeugen.

 

Tipp: Einfacher geht es, wenn man die Blätter bereits entfernt, wenn diese gerade gelb geworden sind, aber noch eine feste Blattstruktur haben.

Nach dem Ausputzen bleiben dann oft nur die kompakten, inneren Blattrosetten zurück. Diese scheinen über einen natürlichen Frostschutz zu verfügen und überstehen so selbst eisige Temperaturen ohne nennenswerte Schäden.